Ein Abend Fashion Revolution in Regensburg

Am 03.05.2017 fand in der Alten Mälzerei, organisiert von einer Gruppe Studierender, ein Abend im Rahmen der Fashion Revolution Week 2017 statt. Eingeladen waren alle Regensburger, ob alt oder jung, Primark Shopper oder Second- Hand Liebhaber, um durch Film und Diskussion mehr darüber zu erfahren, wo unsere Kleidung herkommt, von wem sie hergestellt wird und insbesondere unter welchen Bedingungen dies geschieht.

Ziel des Abends war es, einen ersten Einblick in die Schattenseiten der Globalisierung und des freien Marktes zu erhalten und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Auswirkungen das eigene Handeln auf die Leben vieler anderer Menschen tatsächlich hat.

Die Fashion Revolution war Veranstaltungsanlass. Sie ist eine weltweite Bewegung, die 2013 gegründet wurde, nachdem eine Kleidungsfabrik in Bangladesch zusammenstürzte und mehrere tausend Menschen unter sich begrub. Seit vier Jahren zeigten deshalb einzelne Personen, Unternehmen und Organisationen Engagement dafür, sowohl mehr Transparenz innerhalb global agierender Modeunternehmen der Bekleidungsindustrie, als auch für uns als Kunden zu schaffen.

Gezeigt wurde der Film „The True Cost“. Ein Projekt, das hinter die Kulissen der globalen Kleidungsproduktion schaut, gedreht und ins Leben gerufen vom Regisseur Andrew Morgan. In seinem Film zeigt er den Weg, den Kleidung geht, bevor sie in unsere Geschäfte kommt. Neben Thematisierung von Marktkapitalisierung, Überkonsum und Umweltverschmutzung, zeigte er auch bewegende Bilder der Menschen und ihrer persönlichen Schicksale, die am Fertigungsprozess unserer Kleidung maßgeblich beteiligt sind und trotz ihres Einsatzes dennoch am wenigsten dafür erhalten.

Aufbauend darauf fand eine Podiumsdiskussion statt. Gäste, die durch ihre Arbeit in diesem Bereich und durch die Auseinandersetzung mit eben solchen Themen ihr Wissen mit uns teilen konnten, waren Nicky, die im Juni ihr Second-Hand Geschäft „Peacehand“ in der Regensburger Altstadt eröffnet, sowie Sabine Leistner vom „una terra Weltladen“ und die Gründerin des grünen Concept-Stores „Ludwig3“ Michaela Gielgen.

In der sehr angeregten Diskussionsrunde wurden nicht nur die menschenunwürdigen Produktionsbedingungen in der Kleidungsindustrie thematisiert, sondern auch über Wasserverschmutzung und Raubbau gesprochen, unter denen größtenteils die sogenannten Dritte Welt Herstellungsländer leiden. Auch genmodifizierte Baumwolle und das Geschäft mit der Seide stieß auf großes Interesse. Außerdem wurden grüne sowie faire Labels, wovon es mittlerweile unzählige in der Modeindustrie gibt, hinterfragt und diskutiert. Besonders spannend war es, von den drei engagierten Regensburger Frauen mehr über nachhaltige Alternativen zur sogenannten Fast Fashion zu erfahren. Denn jeder Einzelne von uns braucht Kleidung und ist somit Teil des Konsumkreislaufs. Jede unserer persönlichen Kaufentscheidungen bestimmt den Markt – und dessen sollten wir uns bewusst werden.

Für einige Teilnehmer erschreckende Bestätigung, für andere ein Weckruf, war der Abend von regem Austausch und großem Interesse an den komplexen Themen rund um die Kleidungsindustrie geprägt. Abgeschlossen wurde mit dem Gedanken, dass wir zwar erst am Anfang einer Veränderung stehen, man sich jedoch mit dem eigenen Konsum auseinandersetzen sollte, um somit Schritt für Schritt für sich selbst einen Weg im Umgang mit der Thematik finden zu können.


Autorin: Karoline Hain, zum Film „The True Cost“

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