IKRK: “International Humanitarian Aid Work from a Personal Field-Perspective” mit Andrew Cameron


„It’s tough“. Mit diesen Worten endete ein bewegender und beeindruckender Vortrag von Andrew Cameron. Dank Professor Dr. Markus Bresinsky erhielten die anwesenden IRM- sowie Master-Studierenden einen interessanten Einblick in die Arbeit des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK). Ausgebildeter Krankenpfleger und Geburtshelfer, spezialisiert auf Notfälle und mit einem Masterstudium im tropischen Gesundheitswesen, scheint Mr. Cameron bestens auf seine Einsätze in Krisengebieten vorbereitet gewesen zu sein.

Seit 10 Jahren ist er immer wieder in den Krisengebieten der Welt vor Ort. Begonnen hat alles in Kenia, wo er in seinem ersten Einsatz sudanesische Kriegsopfer behandelte. Nachdem er hier sein Debüt erfolgreich gemeistert hatte (Cameron beschreibt sich selbst als „easy to work with, and seen as an excellent manager of people and systems“) wird er für 16 Monate ins Juba Teaching Hospital im Sudan geschickt. Während er eindrucksvolle Bilder zeigt (u. A. von den Verletzungen, die dort behandelt wurden), merkt er an, dass es in der Entwicklungshilfe vor allem darum gehe, mit den Einheimischen zu arbeiten. So waren Cameron und seine Kollegen im Juba Teaching Hospital stets als Unterstützung gedacht, mit dem Ziel, das Krankenhaus irgendwann wieder den Sudanesen zur Eigenverwaltung zu überlassen.

Bei seinen folgenden Stationen (neben Afghanistan auch Jemen, Georgien und Sierra Leone während der Ebola-Epidemie) gehörten zu seinen Aufgaben das Ordnen und Archivieren von Patientenakten, die Versorgung entlegener Gebiete mit Nahrung und Medikamenten, die Behandlung von Gefangenen sowie das Ermöglichen von Skype-Gesprächen zwischen Familienangehörigen, die aufgrund verschiedener Ursachen getrennt wurden waren. Wichtig sei es, so Cameron, tolerant und kollegial zu sein sowie damit umgehen zu können, dass man Angehörige aller Seiten eines Konflikts behandelt (das Internationale Rote Kreuz ist immer neutral). Das hieße auch, während eines Einsatzes in Krisengebieten nicht über Gut und Böse zu urteilen und sich mit beiden Seiten zu unterhalten.

Neben visuellen Eindrücken und amüsanten Anekdoten führte Cameron auch in die Arbeitsweise des IKRKs ein. Die Einsätze dauern normalerweise zwischen 6 und 12 Monate, alle drei Monate habe man Urlaub. Da die Arbeit psychisch sehr belaste, stehe nach jedem Einsatz ein Psychologe zur Verfügung. Außerdem käme es vor, wenn auch selten, dass Mitarbeiter während eines Einsatzes vermisst würden. Auch deshalb sei es wichtig, dass die eigene Familie sehr tolerant gegenüber der Arbeit in Krisengebieten ist.

Auch die Zuhörer waren beeindruckt von Andrew Camerons Erzählungen:

„Es war ein mehr als eindrucksvoller Vortrag, begleitet von eindringlichen Bildern und dem trockenen Humor von Herrn Cameron, der gezeigt hat, wie Menschen unter extremsten Bedingungen (über-) leben und arbeiten und dennoch eine positive Lebenseinstellung behalten können.“ (Sumona Dhakal, IRM6)

„The presentation was enlightening as it presented the cruel reality. The part I appreciated most was the presentation of the real life experiences as it is something that is difficult to engage in in an academic environment. I appreciated the focus on the images and as a former Red Cross volunteer I was absolutely proud of the fact that my new university is engaged in creating a bridge between students and volunteers.“ (Lia Pirlea, International Security, Intelligence & Strategic Studies).

Wer noch mehr über Andrew Cameron und seine Arbeit erfahren möchte, findet hier ein Interview mit ihm vom April 2016.


Artikel zum Vortrag “International Humanitarian Aid Work from a Personal Field-Perspective” mit Andrew Cameron vom 30.03.2016

Autorin: Birgit Eberl

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