Commodity Trade Finance – Am Beispiel der Ölindustrie

Ihr wolltet schon immer mit größeren Mengen Öl handeln bzw. das Grundprinzip verstehen? Oder Deals allgemein finanziell absichern? Ihr wollt später im Außenhandel tätig sein?
Dann wart ihr bei Daniel Helm’s Vortrag zu Commodity Trade Finance – Senior Credit Analyst bei der UniCredit Bank AG genau richtig. Für alle die nicht dabei sein konnten, hier ein kurzer Überblick:

Worum geht’s?
Händler Z kauft Öl in Land A bei Verkäufer A ein und möchte es in Land B an Abnehmer B verkaufen. Verständlicherweise will Verkäufer A sein Geld spätestens bei Warenausgang bekommen – Abnehmer B erst zahlen, wenn er die Ware erhalten hat. Wie lässt sich der Handel nun für den Händler Z trotzdem finanzieren und der Interessenskonflikt lösen?

Ausgangslage:
Händler Z ist eine Independent Oil Trading Company mit Sitz bevorzugt in Genf oder Singapur, dem Dreh- und Angelpunkten des Ölhandels. Das Ziel ist es, Öl möglichst günstig einzukaufen und zu einem möglichst hohen Preis zu verkaufen. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch der absolute Preis ist, da der Preisunterschied zählt – besonders wenn die Gewinnmargen unter 1% liegen.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Handeln mit Öl ist Marktwissen und Logistik. Beispiel: Da wegen einer Umweltkatastrophe die Atomkraftwerke abgeschaltet werden, steigt der Ölverbrauch, was die Abnahmepreise für Öl steigen lässt. Dieses Wissen nützt nichts, wenn nicht die benötigten Pipelines und Schiffe zum Transport des Öls bereitstehen.

Der Ölmarkt stellt durch seine hohe Volatilität bei Preisen und Absatzmengen sowie durch ein großes Absatzvolumen eine Besonderheit dar.

Lösung:
Wie gesagt, möchte der Händler Z Öl in großer Menge von Firma A kaufen und an Firma B weiterverkaufen. Da Händler Z das Geld nicht vorstrecken kann – wir sprechen hier von Beträgen in Höhe von mehreren US$ 100 Millionen –  springt eine Bank, hier die UniCredit, ein.

Diese kann durch ein Zahlungssicherungsinstrument, hier ein Akkreditiv, das Geschäft zwischen Händler Z und Firma A und Firma B finanzieren. Gleichzeitig sichert das Akkreditiv den Händler auch gegen politische und wirtschaftliche/kommerzielle Risiken z. B. Zahlungsunfähigkeit seines Käufers ab. Vereinfacht lässt sich das Akkreditiv wie folgt beschreiben: Händler Z erhält sein Geld bei Übermittlung der vorgeschriebenen Dokumente u.a. des Transportdokuments an die Bank. Diese erhält ihr Geld von der Firma B gegen die Vorlage der Dokumente in der geforderten Form.

Natürlich bleiben Restrisiken für die Bank, die sie sich durch eine Prämie bzw. risikoadjustierte Marge bezahlen lässt. Für den Ölhandel stellen vor allem die politischen Risiken wie Sanktionen und politische Restriktionen Probleme dar. Herr Helm versichert uns aber, dass die wirtschaftlichen Risiken sehr gering sind, da die Bank die Ware als Sicherheit besitzt.

Abschließend möchte ich die Wichtigkeit von Grundlagen, wie die des Akkreditivs, betonen, dessen spezielles Anwendungsgebiet der Commodity Trade Finance ist. Man kann sich also nicht „darum drücken“ die Grundprinzipien zu erlernen. Des Weiteren betonte Professor Schöntag wie wichtig es für Studierende ist, zu wissen, wie Banken so „ticken“, da man mit ihnen im späteren Berufsleben durchaus zu tun haben kann, auch wenn man nicht bei einer Bank angestellt ist.
______________________________________________________________________

Vortag zu Commodity Trade Finance von Sebastian Helm – Senior Credit Analyst bei der UniCredit Bank AG

Autorin: Sonja Offinger

Empfohlene Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert