Wenn aus Science Fitcion, Science Fact werden soll

Vortrag von Dr. Tjorben Bogon zu „Mindchange – Warum ist die Digitalisierung so schwierig?“

„Wir reden so viel über die Digitalisierung, aber irgendwie kommt sie nicht in der Wirtschaft an.“ So begann Dr. Tjorben Bogon am Donnerstag, 28. November, seinen Vortrag zum Thema „Mindchange – Warum ist die Digitalisierung so schwierig?“. Vor IRM Studierenden und Studierenden der BW-Fakultät sprach der selbsternannte Digital Native über die Herausforderungen der Digitalisierung und die Probleme, die vor allen Dingen in mittelständischen Unternehmen auftreten. Die Kernaussage stand dabei von Anfang an zentral im Mittelpunkt: Wir brauchen einen Mindchange. Wir wissen heute weitestgehend wo wir hinwollen, wir wissen nur noch nicht wie – zumindest in Deutschland. Andere Länder, wie China, sind uns weit voraus, sind schneller und innovativer. In Deutschland sind wir zwar Meister im Optimieren, doch sind wir eher risikoscheu als risikoavers. Mit Überdenken, Überarbeiten und noch mal verbessern ist man in dieser Branche auf dem falschen Fuß unterwegs. Die Prozesse sind schneller, Produkte werden in immer schnellerem Tempo auf den Markt gebracht.

Der zügige Zyklus ist eine der schwierigsten Herausforderungen. Strategiepläne werden im 3-5-10 Jahrestakt entwickelt. Doch die Technologie überholt sich selbst alle halben Jahre. Wie kann man eine Digital-Strategie bis 2025 entwerfen, wenn heute noch unklar ist, welche Technologien bis dahin den Alltag bestimmen werden? Ein gutes Beispiel dafür ist TicToc. Die App, mit der man lustige Musikvideos von bis zu 60 Sekunden erstellen kann, ist besonders bei Teenagern beliebt. Innerhalb eines Jahres wurde die Applikation 1,5 Milliarden Mal runtergeladen. Wie soll man das planen können? Hier zeigt sich der Vorteil, der digitalen Produkten und der Digitalisierung eigen ist: Produkte lassen sich innerhalb kürzester Zeit mit wenigen Klicks tausendfach reproduzieren. Das Grundgerüst dahinter: Daten. AirBnB ist ein Hotelunternehmen und besitzt nicht ein einziges Haus. Uber kann man, wenn man will, als Taxiunternehmen verstehen – ohne je in ein Fahrzeug investiert zu haben. Diese Unternehmen funktionieren einzig und allein basierend auf Daten und dem Vertrauen der Konsumierenden in diese Daten. 

Dass eine Zukunft, die sich mehr und mehr in diese Richtung entwickeln wird (und daran sollte heute kein Zweifel mehr bestehen), nicht mehr mit herkömmlichen Business Models zu bewältigen ist, sollte allen klar sein. Es bedarf des bereits genannten Mindchanges. Bogon vergleicht den Prozess des Umdenkens, der uns nun bevorsteht, mit den Entwicklungen zu Zeiten der Einführung der Dampfmaschine. Damals war auf einmal auch alles neu, alles anders. Die Entdeckung der Dampfmaschine hat fast alle Bereiche des menschlichen Lebens nachhaltig beeinflusst. Und so ist es auch nun wieder: Aus Science Fiction wurde Science Fact. Die Digitalisierung wird vermutlich alle und jeden auf diesem Planeten früher oder später beeinflussen. Ob es selbst fahrende Autos sind, intelligente Städte oder Veränderungen am eigenen Körper – wir werden sie überall spüren.

Die Frage, die sich einige Vorstände nun stellen sollten, ist: „Lassen wir uns mitziehen oder wollen wir mitbestimmen, wo es hingeht?“ Wer sich fürs Mitbestimmen entscheidet, sollte sich folgender zwei Aspekte bewusst sein: die Digitalisierung hört nicht einfach irgendwann auf, eine Digitalstrategie kann nie abschließend eingeführt sein. Und: Für eine erfolgreiche Digitalisierung bedarf es der Unterstützung aller Mitarbeitenden. Sowohl die des Mitarbeiters im operative Geschäft, der den Mehrwert erkennen muss, die dieser oder jener Automatisierungsprozess mit sich bringt, als auch jene der Vorstandsvorsitzenden, die lernen muss, dass der return on invest erst später kommen wird, als bisher üblich. Sind alle Beteiligten überzeugt, erfolgt die Digitalisierung eines Unternehmens zunächst in drei Schritten.

1.     Digitization: Daten werden digital zur Verfügung gestellt

2.     Digitalization: Prozesse werden automatisiert

3.     Transformation: Neue Business Modelle werden entworfen und erstellt

Dass der Mensch bei all der Technik nicht überflüssig wird, davon ist Bogon überzeugt. Fähigkeiten wir Imagination, Kreativität, Einfühlungsvermögen und ein gewisses Moralverständnis können auch der smartesten AI nicht antrainiert werden. 

Auch die Begeisterung, mit der Dr. Tjorben Bogon über das Thema referierte, wird wohl auch in Zukunft kein Roboter imitieren können. Dem Experten von WK IT hat man während des 60-minütigen Vortrags glaubhaft abgenommen, dass er ein enthusiastischer Digital Native ist, der auch andere von der Digitalisierung und dem dafür notwendigen Mindchange überzeugen will. Wer mehr über das Thema oder die WK IT erfahren will, kann dem Unternehmen gern einen Besuch abstatten. Noch sitzen sie in der Tech-Base, quasi nebenan, ziehen jedoch bald in ein neues Büro nahe dem Stadtzentrum um. Egal wo, Herr Bogon hat uns versichert, an gutem Kaffee mangele es nie.

Übrigens: Auch die tageschau hat mittlerweile einen TicToc-Account, um attraktiver für ein junges Publikum zu werden. Sie haben immerhin den ersten Schritt in Richtung Mindchange geschafft.

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